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Neuromanik und Beuroner Kunst im Arbeiterbezirk

Wuchtig steht die mit Sandstein verblendete Doppelturmfassade von St. Joseph eingebunden in die Mietskasernenbebauung der Müllerstraße. Sie entstand 1907-09 nach Plänen des Münsteraner Architekten Wilhelm Rincklake, seit 1896 Pater Ludgerus im Benediktinerkloster Maria Laach. Er entwarf (mit Wilhelm Frydag) nicht nur den Bau, sondern auch einen flächendeckenden Farbraum im Stil der Beuroner Kunstschule (ausgeführt erst ab 192), der 1965 überstrichen, seit 2006 wieder freigelegt und nach Befund ergänzt wurde. Heute überliefert er ein fast vollständig erhaltenes Raumkunstwerk.
Stadtbildprägend ist nur die anspruchsvoll auftretende Fassade, die den Formenkanon der Neuromanik mit zeitgenössischen Anklängen transformiert; fünf Portale verweisen auf einen repräsentativen Innenraum. Der übrige Baukörper mit Langhaus und Chor erstreckt sich tief in die Hofseite. Chor und Krypta wurden 1945 zerstört.
Der Basilikale Raum knüpft mit Rundbögen, Säulen, Kapitellen auf annähernd quadratischem Grundriss der Gewölbejoche und dem Wechsel von Säule und Pfeiler an die romanische Kirchbaukunst des 12. Jhs. im Rheinland an. Der farbige Innenraum aber ist mit ornamentalen und figürlichen Bereichen, differenzierten Materialien und Oberflächen in seiner kostbaren Feierlichkeit beuronisch geprägt bis hin zur Apsiskuppel mit dem Goldmosaik, nachgebildet der Oberkirche von San Clemente in Rom (1127),. Die moderne Altarraumgestaltung (1989/90) durch Bildhauer des Centro Ave in Loppiano/Italien bindet sich der restaurierten historischen Ausmalung seit 2006 besser ein.
Dr. Christine Goetz

Altarraum1

Lageplan