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Hl. Aloysius Gonzaga

 

Dass Aloysius Patron der Jugend ist, geriet fast in Vergessenheit. Vielleicht haben das die Darstellungen verschuldet, die ihn als schlecht aussehenden Kleriker malten oder in Gips hinstellten. Bis zum 2. Weltkrieg kamen die sechs aloisianischen Sonntage noch einer Jugendmission gleich. Nunmehr ist Aloysius als Jugendpatron einflusslos.

Eine ähnliche Enterbung und Entmachtung hatte Aloysius schon einmal zu Lebzeiten selber herbeigeführt. Als Erbe des Markgrafen von Castiglione im Herzogtum Mantua hatte er 1583 die Verzichtleistung auf Nachfolge und Erstgeborenrechte ausgesprochen. Er war siebzehn Jahre alt. Das Beispiel des heiligen Franz Borgia hatte es ihm wohl angetan, der sein Herzogtum Cadia aufgegeben hatte. Sicher ging auch von der Persönlichkeit des heiligen Carlo Borromeo, des großen Mailänder Kardinals, der ihm die erste heilige Kommunion reichte, ein maßgebender Einfluss aus. Vermuten kann man auch, dass ihn der Gedanke der Wiedergutmachung für die skrupellose Machtbesessenheit seiner Vorfahren, typischer Renaissancemenschen, gepackt hatte. Wäre Aloisius Weltgeistlicher geworden, so wäre ihn der Kardinalshut sicher oder vielleicht gar die Tiara nahe gewesenen.

Er wurde Ordensmann, Jesuit, unter einem strengen, aber hochgeistigen Spiritual, dem heiligen Robert Bellarmin. Er ist nichts anderes als Novize und Scholastiker – Theologiestudent. Die Konsequenz der machtbewussten Vorfahren wandte er auf das geistige und geistliche Leben an. Dennoch bleibt er, wie seine Briefe zeigen, ein liebevoller Sohn seiner frommen Mutter.

Die Erwartungen einer großen Ordenskarriere zerbrechen. Als Dreiundzwanzigjähriger stirbt er 1591 an der Pest, nachdem er im Heilig-Geist-Hospital die Seuchenerkrankten gepflegt hatte.

Sein Leben war ein Protest gegen die Macht, ein Sieg des Geistes und der Hingabe an die Menschen. Sein Vorbild – leider später oft verzeichnet- wies mindestens vier Jahrhunderte lang der Jugend den Weg zur letzten Konsequenz im Dienst Gottes und der Menschen.

Er war „Feldherr“, der Größeres vollbrachte als sein Väter.

Er hätte auch heute noch der Jugend der Kirche viel zu sagen.

Aus:

Die heiligen im Jahr des Herren, Theodor Schnitzler, Herder Verlag,1979

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